Die Farbe Rot

Die Farbe Rot markiert auf Herfords Straßen im Allgemeinen die Fahrradwege. Ob das schön ist, ob das nicht ziemlich bald verblasst oder auch ein schmutziges Braunrot wird, ob nicht ziemlich bald an der Straße etwas gebaut wird und die roten Steine nachher irgendwo eingefügt werden, nur nicht dahin, wo sie vorher waren, das sind Fragen, die sich stellen. Aber irgendwann wurde wohl in Herford beschlossen, dass Rot die Fahrradwege markieren soll. Da gibt es allerdings eine seltsame Ausnahme, nämlich in der Frühherrenstraße. Wer dort mit dem Fahrrad auf dem roten Streifen hineinfährt, fühlt sich ziemlich bald falsch, nämlich auf dem Fußweg, der direkt zum Parkscheinautomaten führt. Weiter geht auf dem Parkplatz, zu dem das Areal zwischen Berliner Straße und Lübberstraße umgestaltet wurde, die rote Markierung durch die überdachten Einfahrten, in denen ich als Radfahrer mich gar nicht mehr willkommen fühle – danach allerdings wieder auf den „richtigen“ roten Fahrradweg.

Jeder Auswärtige wird mir sagen: Du beschäftigst dich mit völlig irrelevanten Themen, wen interessiert diese winzige Inkonsequenz in einem hässlichen Areal, das eigentlich Privatgelände ist? Ja, mein lieber Auswärtiger, du kannst ja nicht wissen, wie viel Liebe und Planungseifer auf dieses Gelände schon verschwendet wurde, als seinerzeit die Lokale Agenda eine neue Bebauung der Frühherrenstraße mit eingelagerten Fachwerkhäusern plante. Der Zweck war, das historische Sträßchen wieder zu rekonstruieren und, ganz nebenbei, das am Eingang dieser Straße gelegene historische „Frühherrenhaus“ nicht so an einer hässlichen Brache stehen zu lassen. Was geschah? Die Pläne der Lokalen Agenda wurden abgeschmettert, aber das ungeregelte Parken auf dem Gelände war doch den Ordnungsliebenden in der Stadt eine Planung wert. Also wurde das historische Pflaster der Frühherrenstraße herausgerissen und damit das letzte Anzeichen, dass hier mal eine richtige Straße war, vernichtet; seitdem muss sich jeder Auswärtige wundern, dass diese hässliche Einfahrt überhaupt einen Namen hat. Und im Zuge der Neugestaltung der Pflasterung wurden eben jene irreführenden roten Verbundsteine eingesetzt, die mir heute Kopfzerbrechen bereiten.