Neue Graffiti am Bergertor

Gegenwärtig führt Herford einen Krieg gegen Graffiti. Dazu hat man die Oberfläche von Betonwänden an Unterführungen mit einem Lack versehen, auf dem angeblich alles, was gesprüht oder gemalt wird, leicht wieder entfernt werden kann. Meistens bleibt dann aber doch ein unscharfes Geschmiere übrig, dem die Bezeichnung „Schmiererei“ wirklich zukommt.

Es ist seltsam, mit welcher Aggressivität die Öffentlichkeit auf Graffiti reagiert: da wird eine Kunstform, die oftmals Preise verdient hätte, als „Schmiererei“ abgetan. Da heißt es, Graffiti seien nichts als der Ausdruck eines narzisstischen Geltungsbedüfnisses, und schon deshalb müsse man sie sofort wieder entfernen. In Wirklichkeit steckt etwas anderes dahinter: Graffiti widersprechen der Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes. Mit Reklameplakaten lassen wir uns ständig unser Gesichtsfeld zumüllen – aber die paar Tags beleidigen uns?

Ja, Graffiti sind vielleicht nicht wirklich „schön“. Sie markieren (und beseelen) im Allgemeinen große Flächen aus Beton, die nur aus technischen Gründen existieren und die ganze Trostlosigkeit unserer Technik offenbaren. Graffiti wirken stark, wild, auch aggressiv und sind damit Ausdruck einer in unserer Gesellschaft unterdrückten Kraft. Aber, Hand aufs Herz: Ist es nicht immer noch besser, junge Männer (Frauen machen das wohl eher nicht) geben ihren überschüssigen Energien auf diese Weise Ausdruck als auf eine andere?

Klar, auch bei Graffiti gibt es Qualitätsunterschiede. Und es gibt Grenzen. Privathäuser gehören zum Beispiel dazu, Kirchen oder auch Mauern, die, wie etwa solche aus Natursteinen, von ihrer gegebenen Struktur her fürs Besprühen nicht geeignet sind.

Bevor wieder die Saubermänner kommen und die schönen neuen Graffiti am Bergertor wieder entfernen, will ich sie hier dokumentieren.

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