Archiv für den Monat: November 2012

Das Örtliche

Wer das neue Telefonbuch aufschlägt – „Das Örtliche“ – wird bald erschlagen von Werbeanzeigen. Man fragt sich, wozu es noch die Gelben Seiten gibt. Unter A fand man schon immer Ärzte und Autohäuser, unter G die Gaststätten (eine altertümliche Bezeichnung; wer nach „Restaurant“ sucht, wird noch immer auf „Gaststätten“ verwiesen), inzwischen auch schon „Gärtnereien“, unter R stehen die Rechtsanwälte. Und in der Mitte, beim Buchstaben K, findet sich außerdem noch ein eigenes kleines Branchenverzeichnis, so dass man völlig verwirrt ist und sich totblättert, wenn man das Unglück hat, jemanden zu suchen, der richtig mit dem Buchstaben K anfängt.

Wer bezahlt das eigentlich alles, habe ich mich gefragt. Garantiert können alle Unternehmen, die eine Anzeige schalten, diese von der Steuer absetzen. Diese Anzeigen, die sich uns völlig ungefragt aufdrängen, bezahlen also – wir alle. Klar, „Das Örtliche“ ist kostenlos, ja, ja. Vorbei die Zeiten, als die Post gesetzlich verpflichtet war, dem Menschen ein aktuelles Verzeichnis der Telefonnummern zur Verfügung zu stellen. Wir sollen froh sein, dass wir überhaupt ein Telefonbuch bekommen. Das bisschen Werbung wird man ja noch ertragen können… Aber ich weiß, welche Gesetze man ändern sollte, um die Menschheit wenigstens ein Stück weit von dieser Plage der übertriebenen Werbung zu befreien.

Erika Friedhof

„Erika Friedhof“ kündigt die Lautsprecherstimme im Bus die nächste Station an, ganz als handele es sich um eine Frau mit Vornamen Erika und dem Nachnamen „Friedhof“. Und da sich der Sprecher schon an diese falsche Betonung gewöhnt hat, geht es bei den nächsten Stationen munter weiter: „Mozart Stráße, Beethoven Stráße“…. Auf einer anderen Linie, nämlich der in Richtung Enger, erscheint wieder eine Frau mit seltsamem Familiennamen, nämlich „Anna Straße“. Was passiert da? Hat die Bundesbahn kein Geld, um professionelle Sprecher zu beauftragen? Dann möchte ich mich doch einmal ins Gespräch bringen. Auf jeden Fall sollte klar sein: Ein banaler Klang wie die Ansage von Straßennamen in Bussen kann die Stimmung in einer Stadt enorm beeinflussen. Wie erfreut und gehoben ist man doch durch die Mädchenstimme in den Bielefelder Straßenbahnen, die so einen kindlichen Klang hat und am Ende noch so reizend sagt: „Wir sagen Tschüss und Auf Wiedersehn!“ Diese Stimme stünde auch den Herforder Bussen ganz ausgezeichnet.

Welt-Fernsehtag

… sei heute, verkündet meine Tageszeitung. Die Uno hat ihn eingeführt. Aber nicht einmal Verantwortliche bei der UNO selbst, geschweige denn die Fernsehgesellschaften wissen davon. Mich interessiert’s eigentlich besonders wenig, weil ich gar kein Fernsehen mehr habe. Ich erinnere mich noch, gestern oder vorgestern war Welt-Toilettentag. Ja, wirklich. Auch von der UNO bestimmt. Und morgen soll der internationale Tag der Hausmusik sein. Was das alles soll, weiß kaum jemand. Einen „Tag des Baumes“ gab’s in meiner Kindheit. Ich will mal nachsehen, ob ich den UNO-Kalender herausbekommen kann, auf dem sämtliche Gedenktage verzeichnet sind. Wenn ich den habe, brauche ich mir um meinen täglichen Blog keine Sorgen mehr zu machen, oder?

Die katholische Kirche kennt den Heiligenkalender. Durch das Gedenken an einen Heiligen bekam jeder Tag eine besondere Bedeutung. Wollte die UNO ein weltliches Pendant zu dieser Verehrung schaffen? Es scheint, im Gegensatz zu den religiös begründeten Gedenktagen, doch recht kurzlebig zu sein. Zwischen dem Welt-Aids-Tag und dem Weltspartag klaffen Welten.

Herford mit dem Rollstuhl

Herford mit dem Rollstuhl oder Rollator? Vergiss es! Bewohner der Seniorenwohnungen am Linnenbauerplatz beklagen sich, dass sie mit ihrem Rollator nicht die wenigen Meter bis zum Markt schaffen: zu viel antikes, rumpelndes Kopfsteinpflaster, absurd hohe Bordsteine. Die ganze Gegend zwischen Linnenbauerplatz und Münsterkirche, an der Volkshochschule vorbei, wäre dringend renovierungsbedürftig. Wer dort mit dem Fahrrad fährt, findet zwar ein Hinweisschild als Empfehlung, wo man herfahren soll, aber der Weg ist alles andere als eben. Warum zum Beispiel muss man von der Elisabethstraße in Richtung Linnenbauerplatz einen Bordstein überqueren? Der hat als Markierung einer Einfahrt schon lange keine Funktion mehr, aber ist einfach immer dort geblieben, auch wenn in der Vergangenheit wiederholt dort gebaut wurde und man ihn in solchen Zusammenhängen hätte entfernen können. Aber auch neu gestaltete Straßen, etwa die Hermannstraße oder die Ahmser Straße, sind alles andere als vorbildlich. Dort (und übrigens fast überall in Herford) haben die Planer eine feine Unterscheidung getroffen zwischen Furten für den Fahrradweg (die neigen sich tatsächlich bis auf die Straßenebene) und Einfahren auf Grundstücke. Letztere sind offenbar nur für Autos konzipiert, denn zwischen dem abgerundeten Bordstein und der Straßenebene ist immer noch ein Höhenabstand von ca. 1 cm. Für den Fahrradfahrer lästig, für einen Rollstuhl oder Rollator aber unmöglich.

Ja, wir haben die Bemühungen bemerkt, für Sehbehinderte Markierungen zu schaffen. Wir sehen auch ein, dass Sehbehinderte für eine klare Trennung zwischen Straße und Gehsteig dankbar sind. Aber sollen jetzt Personen im Rollstuhl oder mit Rollator darunter leiden? Die brauchen ebenfalls angemessene Furten zum Überqueren der Straße. Man hat hier an eine bestimmte Gruppe von Behinderten gedacht, aber die Sache für die übrigen erschwert.

Bläserkonzert in Herford-Laar

Samstag, 24.11.2012, 18 Uhr: Bläserkonzert in der Auferstehungskirche Herford-Laar, unter dem Titel: REFORMATION & MUSIK. Das Konzert ist Teil des „Cantart“-Festivals. Es spielt der Posaunenchor des CVJM Herford Laar e. V. unter der Leitung von Andreas Förster. Der Eintritt ist frei, beim Ausgang wird um eine Kollekte gebeten.
Dem Bläserkonzert gingen bereits zwei Abende voraus. Der Chor der Auferstehungskirche Herford-Laar sowie der Jugendchor der „Schlossspatzen“ aus Detmold konzertierten am 4. 11. unter der Leitung von Christiane Schmidt mit einem Vivaldi-Programm. Es erklangen ein Gloria, ein Credo sowie die vor kurzem wieder entdeckte Musik zum Psalm 109, „Dixit dominus“, im Orchester spielten Mitglieder der Nordwestdeutschen Philharmonie. Als Solisten wirkten mit: Horst Nölle mit einem Konzert für Blockflöte und Orchester und Margarete Schlegl mit dem Konzert a-moll von Vivaldi in der Bearbeitung für Orgel von J. S. Bach. Ein vorbereitender Vivaldi-Abend brachte eine musikalisch begleitete Lesung aus dem Roman „Stabat mater“ von Tiziano Scarpa, gelesen von Grit Asperger und gesungen von Christiane Schmidt, die am Klavier von Tatjana Schuster begleitet wurde. „Musik Macht Reformation“ – unter dieser durchaus doppeldeutigen Überschrift stand das Programm des Konzertes. Der Titel wies auch darauf hin, dass der (katholische) Vivaldi großen Einfluss auf J. S. Bach ausgeübt hat, obwohl dieser selbst nie in Italien war. Christiane Schmidt hat mit Vivaldis Musik ein sehr geeignetes Material für ihren Jugendchor der „Schlossspatzen“ gefunden, sind doch diese Stücke ursprünglich für Mädchen in diesem jugendlichen Alter geschrieben worden. Das Waisenhaus in Venedig, in dem Vivaldi zeitweilig die musikalische Leitung innehatte, finanzierte sich mit der Musik, die dort aufgeführt wurde. Die Solopassagen waren denn auch so gestaltet, dass sie für die jungen Solistinnen und Solisten (Isabel Chrostek, Anna Magdalena Stark und Jonathan Dräger) eine gute erste Erfahrung mit dem Soloauftritt darstellten. Den Löwenanteil der Musik bestritten jedoch die Chöre. Vivaldis Klangsprache, die auf den ersten Blick treu dem lateinischen Text folgt, scheut sich gelegentlich jedoch nicht, zur Verdeutlichung der Aussage hohe Lagen und chromatische Gänge heranzuziehen. Das stellte die Chöre vor nicht geringe Herausforderungen, die sie aber gut meisterten. Horst Nölle brillierte mit atemberaubender Technik im Konzert für Sopranblockflöte G-Dur (RV 443) von Antonio Vivaldi. Die Akkordbrechungen, die der Komponist der Flöte abverlangt, sind eigentlich völlig gegen die Möglichkeiten dieses Melodieinstrumentes, aber typisch für eine Zeit, in der die Lust am technischen Experiment groß war. Dafür gaben die Kantilenen des langsamen Satzes der Flöte umso mehr Gelegenheit, ihre Seele zu zeigen. Die zweite Solistin, Margarete Schlegl, nahm als Studentin der Detmelder Musikhochschule die Gelegenheit wahr, öffentliche Konzerterfahrungen zu sammeln.

Herforder Paarstraßen

Straßennamen gibt es meistens in Büscheln: Da wird eine neue Siedlung gebaut, bei der gleich ein Dutzend Straßen anfallen, und nun werden Personen- oder sonstige Gruppen gesucht, nach denen sie zu benennen sind. In Herford etwa nach Komponisten wie Bach, Mozart, Händel (oberhalb der Meierstraße), nach preußischen Generälen (um Wiese- und Sachsenstraße herum) nach Gehölzen und Bäumen (die Gegend um die Kastanienallee oder die Siedlung Am Waldesrand) oder nach Vögeln wie Meise, Amsel, Taube (zwischen Schwarzenmoorstraße und Lübberlindenweg).

Gelegentlich werden Straßen aber auch paarweise benannt, obwohl es wohl recht selten sein dürfte, dass es irgendwo eine Straße für Romeo und eine für Julia gibt oder für sonstige Liebespaare. In Herford sind aber immerhin zwei Ehepaare verewigt:  Hermann und Thusnelda sowie Kaiser Wilhelm (I.) und seine Frau Augusta. Die Thusneldastraße ist nur eine schmale Seitenstraße zur Hermannstraße, sie schmiegt sich ihr bescheiden an, wie es einer germanischen Frau geziemt. Ebenso zweigt die etwas kurios gekrümmte Augustastraße vom Wilhelmsplatz ab, der aber nur so heißt und eigentlich kein richtiger Platz ist.

Eine in Deutschland sehr beliebte Paarung für Straßen ist die von Goethe und Schiller, die  findet sich in Herford aber nicht. Die Herforder verehren offenbar den Dichter Friedrich Schiller (sie haben ihm eine schöne Straße gewidmet und außerdem ein Denkmal),  aber seinen Busenfreund Goethe erheblich weniger: Die Goethestraße ist ein Siedlungssträßchen, das oben auf dem Stiftberg irgendwo von der Meierstraße abgeht. Von dieser Straße zweigt aber noch ein kleineres Sträßchen ab, die Eckermannstraße. Eckermann war bekanntlich Goethes Sekretär in dessen letzten Jahren, und er hat nach Goethes Tod seine „Gespräche mit Goethe“ veröffentlicht. Eine etwas kuriose Paarung diesmal, aber nicht unpassend.

Schließlich haben irgendwann auch die sozialdemokratischen Politiker Bebel und Ebert mal ihre Straßen erhalten (wahrscheinlich, als endlich einmal Sozialdemokraten in Herford das Sagen hatten). Das sind nur kleine Siedlungssträßchen, die von der Bismarckstraße (!) abzweigen – und bekanntlich mochte Bismarck die Sozialdemokraten ja überhaupt nicht. Also auch hier alles im Lot…

Weiß noch jemand weitere Paarstraßen in Herford?

Laubsauger

Private Gartenbesitzer sollten doch bitte keine Laubsauger verwenden, empfehlen die Naturschutzverbände. Diese Geräte saugen nämlich nicht nur das Laub auf, sondern auch alle möglichen Kleintiere, die sich darunter versteckt halten, wie Spinnen oder Asseln, und die Vögel finden dann im Winter nichts mehr zu fressen. Diese Empfehlung an jeden und jede von uns ist schön und gut, aber wer hat eigentlich mit dem Unsinn der Laubsauger und Laubpuster angefangen? Das war doch unsere Stadtverwaltung. Hauptsache LAUT. Hauptsache VIEL EINSATZ VON BENZIN. Wir haben ja genug davon. Und EINSPAREN VON ARBEITSPLÄTZEN. Die sind ja unerträglich teuer. Wenn das mit dem Laubsaugen und Laubpusten öffentlich vorgemacht wird, soll man sich doch nicht wundern, wenn die Leute denken, das sei für ihren Garten ebenfalls praktisch.

Also bitte, liebe Herforder Stadtverwaltung: Überlegen Sie doch mal, ob Sie diese bescheuerten Geräte nicht endlich wieder entsorgen und zu Rechen und Schaufel zurückkehren.

Bordell-Betreiber verklagt den Kreis Herford

Man möchte schadenfroh sagen: Das habt ihr euch selbst zuzuschreiben. Dass die Gemeinde Hiddenhausen jetzt die Klage eines Bordellbetreibers am Hals hat, ist nur eine Folge des Rassismus, der in der Stadtverwaltung herrscht. Das Objekt an der Bünder Straße gehörte vorher einem jesidischen Kurden, der die Absicht hatte, dort Hochzeiten zu veranstalten. Der Saal hatte in weitem Umkreis die ausreichende Größe für sein Vorhaben, etwa 300 Personen konnten dort feiern. Zu viel, befand die Verwaltung, zu viel Lärm, zu viel Türenschlagen, und überhaupt.  Selbstverständlich rief auch das benachbarte Hotel regelmäßig die Polizei, um sich über Lärm zu beschweren. Veranstaltungsorte dieser Art würden heute überhaupt nicht mehr genehmigt, behauptete ein Beamter frech. Aber sobald ein Deutscher gekommen wäre – die Deutschen feiern wohl nie, oder? – hätte die Sache schon ganz anders ausgesehen. Und so hat der Jeside das Haus wieder verkauft, das als normale Kneipe nicht gewinnbringend zu betreiben war. Und damit ging’s bergab. Was anderes als ein Bordell konnte aus dem Haus noch werden?