Die Wellblech-Ästhetik

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden die Pavillons am Bahnhof renoviert und bekamen eine Verkleidung mit roten Ziegelsteinen. Das sah nett aus, aber dann verabschiedeten sich gleich mehrere Läden, die in diesen Pavillons beheimatet waren. Nun muss offenbar alles wieder umdekoriert werden: Ausgehend vom McDonald’s-Restaurant, das es erreicht hat, von der Verpflichtung, ein Klo einzurichten, befreit zu werden, werden die Fassaden und Dächer nun mit silbernem Wellblech verkleidet.

Man kann nicht sagen, dass das schlecht aussieht, jedenfalls nicht, wenn es neu ist. Trotzdem muss man sich doch seine Gedanken machen, denn die Wellblech-Ästhetik scheint sich in Herford auszubreiten. Eines der ersten Gebäude war das der Praxis-Klinik an der Hansastraße; oder war das Wohnhaus an der Johannisstraße mit der Einfahrt in die Gertrudisstraße noch vorher? Bei Wellblech denke ich an Dritte Welt, z. B. an den Roman „Afrikanische Tragödie“ von Doris Lessing, wo jemand Wellblech auf seine Hütte setzt, weil das das Billigste ist, aber vor Hitze beinahe umkommt. Es ist zu hoffen, dass diese Ästhetik in Herford eher die Ausnahme bleibt.