Kategorie-Archiv: Leben und Wohnen

Bollerwagen

Und wieder einmal zogen die Väter am Himmelfahrtstag durch die Lande, mit ihren Bollerwagen im Schlepptau, auf denen der Biervorrat gebunkert war. Auch ganz junge waren darunter, und ich sprach sie an: „Ihr seid doch noch gar keine Väter, wie könnt ihr denn Vatertag feiern?“ Darauf schlagfertig einer von der Gruppe: „Man weiß ja nie…!“
Aber zurück zu den Bollerwagen. Ich frage mich, wo die eigentlich das ganze Jahr über stehen, man sieht sie doch sonst überhaupt nicht. Viele werden sicher von Kindern genutzt, die immer gerne etwas hinter sich her ziehen. Aber bevor der Bollerwagen (der inzwischen ja gar nicht mehr bollert, sondern eine feine Gummiauflage auf den Rädern hat) im Keller verrottet, wäre es doch vielleicht zu überlegen, ihn für den Einkauf einzusetzen: mit Bollerwagen zum Supermarkt statt mit dem Auto!

Ein vermeidbares Unglück

Wer über die jetzt endlich fertige Wiesestraße geht oder fährt, kann an einem Baum eine Beschädigung entdecken, die offenbar von einer großen Baumaschine herrührt. Beinahe zwei Jahre lang waren die Bäume während der Bauarbeiten durch Holzlatten geschützt; aber nachdem diese entfernt worden waren, hat man doch weiter mit großen Maschinen gearbeitet. Eine davon muss gegen den Baum gefahren sein.

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Die beschädigte Rinde ist nicht ganz abgefallen und hätte sofort nach dem Unfall wieder befestigt werden können. Mit einem Verband wie bei einem Menschen. Aber offenbar ist der Unfall nicht gemeldet worden, jedenfalls nicht an die richtigen Stellen. Inzwischen dürfte für eine pflanzenärztliche Behandlung zu spät sein, und der Baum muss selbst sehen, wie er mit der Verletzung klarkommt. Nur wenige Schritte weiter steht ein anderer Baum, der schon vor längerer Zeit einmal ähnliches erlitten hat. Die Spuren sind verwachsen, aber jeder Laie sieht, dass das Regenwasser jetzt leicht in den Baum eindringen und ihn schädigen kann. Eine sofortige Behandlung wäre auch hier das Ideale gewesen. Nur: wissen Bauarbeiter so etwas? Gehört das Wissen darüber zu ihrer Ausbildung? Sagt man ihnen, dass eine Beschädigung von Bäumen geheilt werden kann, wenn sofort ein Pflanzenarzt tätig wird? Oder heißt es bei ihnen wie bei jedem Unfallverursacher: Bloß weg hier und alles vergessen?

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Leider habe ich die Beschädigung erst am 24. 12. 13 bemerkt. In der Stadtverwaltung wird bis zum 6. 1. 14 niemand mehr zu erreichen sein, den man fragen könnte.

Die Farbe Rot

Die Farbe Rot markiert auf Herfords Straßen im Allgemeinen die Fahrradwege. Ob das schön ist, ob das nicht ziemlich bald verblasst oder auch ein schmutziges Braunrot wird, ob nicht ziemlich bald an der Straße etwas gebaut wird und die roten Steine nachher irgendwo eingefügt werden, nur nicht dahin, wo sie vorher waren, das sind Fragen, die sich stellen. Aber irgendwann wurde wohl in Herford beschlossen, dass Rot die Fahrradwege markieren soll. Da gibt es allerdings eine seltsame Ausnahme, nämlich in der Frühherrenstraße. Wer dort mit dem Fahrrad auf dem roten Streifen hineinfährt, fühlt sich ziemlich bald falsch, nämlich auf dem Fußweg, der direkt zum Parkscheinautomaten führt. Weiter geht auf dem Parkplatz, zu dem das Areal zwischen Berliner Straße und Lübberstraße umgestaltet wurde, die rote Markierung durch die überdachten Einfahrten, in denen ich als Radfahrer mich gar nicht mehr willkommen fühle – danach allerdings wieder auf den „richtigen“ roten Fahrradweg.

Jeder Auswärtige wird mir sagen: Du beschäftigst dich mit völlig irrelevanten Themen, wen interessiert diese winzige Inkonsequenz in einem hässlichen Areal, das eigentlich Privatgelände ist? Ja, mein lieber Auswärtiger, du kannst ja nicht wissen, wie viel Liebe und Planungseifer auf dieses Gelände schon verschwendet wurde, als seinerzeit die Lokale Agenda eine neue Bebauung der Frühherrenstraße mit eingelagerten Fachwerkhäusern plante. Der Zweck war, das historische Sträßchen wieder zu rekonstruieren und, ganz nebenbei, das am Eingang dieser Straße gelegene historische „Frühherrenhaus“ nicht so an einer hässlichen Brache stehen zu lassen. Was geschah? Die Pläne der Lokalen Agenda wurden abgeschmettert, aber das ungeregelte Parken auf dem Gelände war doch den Ordnungsliebenden in der Stadt eine Planung wert. Also wurde das historische Pflaster der Frühherrenstraße herausgerissen und damit das letzte Anzeichen, dass hier mal eine richtige Straße war, vernichtet; seitdem muss sich jeder Auswärtige wundern, dass diese hässliche Einfahrt überhaupt einen Namen hat. Und im Zuge der Neugestaltung der Pflasterung wurden eben jene irreführenden roten Verbundsteine eingesetzt, die mir heute Kopfzerbrechen bereiten.

 

Baut den kleinen Pavillon am Werreufer wieder auf!

Pavillon am Bergertor, Herford

Foto: Wolfgang Maletzky

Über Jahre hinaus habe ich dieses nette kleine Gebäude genossen. Wenn man vom Wall her mit dem Rad oder zu Fuß auf die Werre zuging, sah man schon von weitem, durch die Bäume hindurch, die Fontäne. Und dahinter stand gleich am gegenüber liegenden Ufer der kleine Pavillon. Es scheint, dass dieses Gebäude von der alten Badeanstalt übrig gebelieben ist. Schon aus diesem Grunde hätte man es nicht abreißen dürfen. Gelegentlich wohnte jemand dort drin. Wahrscheinlich war es sonst verlassen und es gab keinen Strom. Aber ich dachte: Schön, dass der Pavillon noch zu etwas dient. Noch als das Wirtshaus abgerissen wurde, das hinter dem Pavillon den Blick auf die Salzufler Straße verdeckte, habe ich mir gedacht: Es kann doch nicht sein, dass sie den Pavillon mit abreißen. Und doch. Eines Tages war es so weit. Und niemand hat sich darüber aufgeregt. Jetzt ist dort eine Brache, und man schaut über die Fontaine gleich auf den Häuserblock mit der Uhr dran, die nach langer Zeit wenigstens wider richtig geht. Das Gelände wird jetzt wieder heftig diskutiert. Schafft Herford es, dort eine Wasserkraftanlage zu errichten? Oder geht das ganze Gelände doch endlich an einen „Investor“, der für eigenen Profit dort bauen will? Wie wäre es, das Gelände statt dessen interessierten Bürgern zwecks Gartenbau zu überlassen und den Pavillon zum Feiern und zum Unterstellen der Gartengeräte zu haben? Jeder Investor sollte zur Bedingung bekommen, den kleinen Pavillon wieder aufzubauen. Auch wenn man Wohnungen oder sonstwas zur Salzufler Straße hin baute, könnte man den Pavillon mit einbeziehen und ihm einen Zweck verleihen. In Berlin können sie das Schloss wieder aufbauen, warum in Herford nicht einen schönen kleinen Pavillon?

 

Pavillon am Berger Tor

Foto: Wolfgang Maletzky

Das Straßenpflaster

In Herford sind verschiedene Plätze mit traditionellem Steinpflaster versehen. Das sieht gemütlicher und so richtig alt aus, hat man wohl gedacht, unabhängig von der Frage, ob Rollstuhlfahrer, Rollbrettfahrer oder gar Frauen in Stöckelschuhen sich darauf wohl gut bewegen können. Es gibt zwei Sorten von Steinen für die Belegung solcher Plätze, das gute alte Kopfsteinpflaster, normalerweise schwarzer Basalt, und eine Belegung mit kleineren Steinen, die vielleicht auch einen eigenen Namen haben, aber ich weiß den nicht. Diese kleinen Steine sind im Prinzip annähernd würfelförmig, aber seit längerem möchte man sparen: man nimmt nicht mehr den ganzen Stein, sondern schneidet ihn in mehrere kleine Platten, die in Flüssigbeton eingelegt werden. Ja, vielleicht ist das sparsamer, aber es  hält auch nicht so lange. Und so häufen sich auf dem Neuen Markt und vor der Marienkirche auf dem Stiftberg die Stellen, an denen die Steinplättchen zerbrochen sind und den Betrug offenbaren.

Die Wellblech-Ästhetik

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden die Pavillons am Bahnhof renoviert und bekamen eine Verkleidung mit roten Ziegelsteinen. Das sah nett aus, aber dann verabschiedeten sich gleich mehrere Läden, die in diesen Pavillons beheimatet waren. Nun muss offenbar alles wieder umdekoriert werden: Ausgehend vom McDonald’s-Restaurant, das es erreicht hat, von der Verpflichtung, ein Klo einzurichten, befreit zu werden, werden die Fassaden und Dächer nun mit silbernem Wellblech verkleidet.

Man kann nicht sagen, dass das schlecht aussieht, jedenfalls nicht, wenn es neu ist. Trotzdem muss man sich doch seine Gedanken machen, denn die Wellblech-Ästhetik scheint sich in Herford auszubreiten. Eines der ersten Gebäude war das der Praxis-Klinik an der Hansastraße; oder war das Wohnhaus an der Johannisstraße mit der Einfahrt in die Gertrudisstraße noch vorher? Bei Wellblech denke ich an Dritte Welt, z. B. an den Roman „Afrikanische Tragödie“ von Doris Lessing, wo jemand Wellblech auf seine Hütte setzt, weil das das Billigste ist, aber vor Hitze beinahe umkommt. Es ist zu hoffen, dass diese Ästhetik in Herford eher die Ausnahme bleibt.

Der Wittekindpass: Abgeschafft

Seit Anfang dieses Jahres ist still und heimlich in Herford der Wittekind-Pass abgeschafft worden. Das heißt: Keinerlei Ermäßigung mehr für Menschen mit wenig Geld, wenn sie ins H2O oder ins Freibad wollen, bei Kulturveranstaltungen. Das Marta-Museum gewährte bei Vorlage des Passes freien Eintritt, ebenso die Stiftung Brand. Eine Stunde Schwimmen im H2O kostet normal € 4,50, für jemanden, der den Pass vorzeigte, einen Euro weniger.  Auch die Eisbahn gewährte Rabatt. Besonders erheblich war die Ermäßigung für die Benutzung der Freibäder: bei der Saisonkarte sparte man zwanzig Euro. Weitere Ermäßigungen, die in einem Faltblatt der Stadt aus dem vergangenen Jahr genannt wurden: 50 % Ermäßigung auf die Jahresgebühr der Stadtbücherei, 50 % auf bestimmte Veranstaltungen der Volkshochschule und sogar auf Veranstaltungen des Stadttheaters, nachdem die CDU mit großem Brimborium einen entsprechenden Antrag des Vereins Kulturanker erst abgelehnt hatte.
Alles vorbei, wie gesagt, still und heimlich, und niemand regt sich darüber auf. Keine Nachricht in der Presse, sicherlich kein Ratsbeschluss. Wer ist zuständig, wer hat das verfügt? Ich frage hiermit offiziell an.

Das Treppenhaus

Das Arbeitsamt Herford ist eigentlich ein recht schönes Gebäude. Nur das Treppenhaus ist erstaunlich schmal ausgefallen. Ich hab’s nicht ausgemessen, aber es kommt mir beinahe vor, als wäre es schmaler als das in meinem 4-Parteien-Haus aus den 50-er Jahren. Dabei wäre es leicht möglich gewesen, die Treppen breiter anzulegen, und man könnte sie jetzt immer noch ohne Probleme nachrüsten. So lange bleibt man lieber unten stehen und wartet, wenn einem eine Person oder vielleicht sogar zwei von oben entgegenkommen. Viele nehmen daher sicherlich auch den Aufzug und belasten den Energiehaushalt. Das Treppenhaus sagt dir so etwas wie: Lass, der du eintrittst, jede Hoffnung fahren…!

Herford mit dem Rollstuhl

Herford mit dem Rollstuhl oder Rollator? Vergiss es! Bewohner der Seniorenwohnungen am Linnenbauerplatz beklagen sich, dass sie mit ihrem Rollator nicht die wenigen Meter bis zum Markt schaffen: zu viel antikes, rumpelndes Kopfsteinpflaster, absurd hohe Bordsteine. Die ganze Gegend zwischen Linnenbauerplatz und Münsterkirche, an der Volkshochschule vorbei, wäre dringend renovierungsbedürftig. Wer dort mit dem Fahrrad fährt, findet zwar ein Hinweisschild als Empfehlung, wo man herfahren soll, aber der Weg ist alles andere als eben. Warum zum Beispiel muss man von der Elisabethstraße in Richtung Linnenbauerplatz einen Bordstein überqueren? Der hat als Markierung einer Einfahrt schon lange keine Funktion mehr, aber ist einfach immer dort geblieben, auch wenn in der Vergangenheit wiederholt dort gebaut wurde und man ihn in solchen Zusammenhängen hätte entfernen können. Aber auch neu gestaltete Straßen, etwa die Hermannstraße oder die Ahmser Straße, sind alles andere als vorbildlich. Dort (und übrigens fast überall in Herford) haben die Planer eine feine Unterscheidung getroffen zwischen Furten für den Fahrradweg (die neigen sich tatsächlich bis auf die Straßenebene) und Einfahren auf Grundstücke. Letztere sind offenbar nur für Autos konzipiert, denn zwischen dem abgerundeten Bordstein und der Straßenebene ist immer noch ein Höhenabstand von ca. 1 cm. Für den Fahrradfahrer lästig, für einen Rollstuhl oder Rollator aber unmöglich.

Ja, wir haben die Bemühungen bemerkt, für Sehbehinderte Markierungen zu schaffen. Wir sehen auch ein, dass Sehbehinderte für eine klare Trennung zwischen Straße und Gehsteig dankbar sind. Aber sollen jetzt Personen im Rollstuhl oder mit Rollator darunter leiden? Die brauchen ebenfalls angemessene Furten zum Überqueren der Straße. Man hat hier an eine bestimmte Gruppe von Behinderten gedacht, aber die Sache für die übrigen erschwert.

Laubsauger

Private Gartenbesitzer sollten doch bitte keine Laubsauger verwenden, empfehlen die Naturschutzverbände. Diese Geräte saugen nämlich nicht nur das Laub auf, sondern auch alle möglichen Kleintiere, die sich darunter versteckt halten, wie Spinnen oder Asseln, und die Vögel finden dann im Winter nichts mehr zu fressen. Diese Empfehlung an jeden und jede von uns ist schön und gut, aber wer hat eigentlich mit dem Unsinn der Laubsauger und Laubpuster angefangen? Das war doch unsere Stadtverwaltung. Hauptsache LAUT. Hauptsache VIEL EINSATZ VON BENZIN. Wir haben ja genug davon. Und EINSPAREN VON ARBEITSPLÄTZEN. Die sind ja unerträglich teuer. Wenn das mit dem Laubsaugen und Laubpusten öffentlich vorgemacht wird, soll man sich doch nicht wundern, wenn die Leute denken, das sei für ihren Garten ebenfalls praktisch.

Also bitte, liebe Herforder Stadtverwaltung: Überlegen Sie doch mal, ob Sie diese bescheuerten Geräte nicht endlich wieder entsorgen und zu Rechen und Schaufel zurückkehren.