Kategorie-Archiv: Wirtschaft und Arbeit

Das Örtliche

Neulich ist wieder das Örtliche erschienen. Es ist gut, dass Telefonbücher noch kostenlos abgegeben werden, eine Zeitlang nach Beginn der Privatisierung des Telefonwesens hatte man ja den Eindruck, man müsse drum betteln. Aber inzwischen macht sich eine Unsitte breit: Die Vermischung der alphabetischen Ordnung der Telefonteilnehmer mit den bezahlten Anzeigen. Das war schon früher lästig, gerade beim Buchstaben K, weil dort, in der Mitte des Ganzen, die Kirchen sich breit machten. Bei G wie Gaststätten war es ähnlich, während man bei R wie Restaurants in die Röhre guckte oder allenfalls auf G wie Gaststätten verwiesen wurde. Inzwischen findet man Einträge unter A wie Ärzte, Altenheime, Apotheken, Autohäuser und denkt, gehört das nicht in die Gelben Seiten?… aber die Mitte des Verzeichnisses ist noch in anderer Weise aufgeschwemmt. Dort gibt es einen eigenen „Branchenratgeber von A-Z“, in dem sich u. a. wiederum Altenheime, Apotheken und Autohäuser finden – Ärzte gegen das Alphabet noch vor den Abbrucharbeiten (damit man beide nicht verwechselt, vermutlich), mit einem Hinweis auf die „Ärztetafel“ im „richtigen“ Alphabet. Kurz, es ist alles zu unserer Information getan, so dass wir daran geradezu ersticken.

 

Der Wittekindpass: Abgeschafft

Seit Anfang dieses Jahres ist still und heimlich in Herford der Wittekind-Pass abgeschafft worden. Das heißt: Keinerlei Ermäßigung mehr für Menschen mit wenig Geld, wenn sie ins H2O oder ins Freibad wollen, bei Kulturveranstaltungen. Das Marta-Museum gewährte bei Vorlage des Passes freien Eintritt, ebenso die Stiftung Brand. Eine Stunde Schwimmen im H2O kostet normal € 4,50, für jemanden, der den Pass vorzeigte, einen Euro weniger.  Auch die Eisbahn gewährte Rabatt. Besonders erheblich war die Ermäßigung für die Benutzung der Freibäder: bei der Saisonkarte sparte man zwanzig Euro. Weitere Ermäßigungen, die in einem Faltblatt der Stadt aus dem vergangenen Jahr genannt wurden: 50 % Ermäßigung auf die Jahresgebühr der Stadtbücherei, 50 % auf bestimmte Veranstaltungen der Volkshochschule und sogar auf Veranstaltungen des Stadttheaters, nachdem die CDU mit großem Brimborium einen entsprechenden Antrag des Vereins Kulturanker erst abgelehnt hatte.
Alles vorbei, wie gesagt, still und heimlich, und niemand regt sich darüber auf. Keine Nachricht in der Presse, sicherlich kein Ratsbeschluss. Wer ist zuständig, wer hat das verfügt? Ich frage hiermit offiziell an.

Das Örtliche

Wer das neue Telefonbuch aufschlägt – „Das Örtliche“ – wird bald erschlagen von Werbeanzeigen. Man fragt sich, wozu es noch die Gelben Seiten gibt. Unter A fand man schon immer Ärzte und Autohäuser, unter G die Gaststätten (eine altertümliche Bezeichnung; wer nach „Restaurant“ sucht, wird noch immer auf „Gaststätten“ verwiesen), inzwischen auch schon „Gärtnereien“, unter R stehen die Rechtsanwälte. Und in der Mitte, beim Buchstaben K, findet sich außerdem noch ein eigenes kleines Branchenverzeichnis, so dass man völlig verwirrt ist und sich totblättert, wenn man das Unglück hat, jemanden zu suchen, der richtig mit dem Buchstaben K anfängt.

Wer bezahlt das eigentlich alles, habe ich mich gefragt. Garantiert können alle Unternehmen, die eine Anzeige schalten, diese von der Steuer absetzen. Diese Anzeigen, die sich uns völlig ungefragt aufdrängen, bezahlen also – wir alle. Klar, „Das Örtliche“ ist kostenlos, ja, ja. Vorbei die Zeiten, als die Post gesetzlich verpflichtet war, dem Menschen ein aktuelles Verzeichnis der Telefonnummern zur Verfügung zu stellen. Wir sollen froh sein, dass wir überhaupt ein Telefonbuch bekommen. Das bisschen Werbung wird man ja noch ertragen können… Aber ich weiß, welche Gesetze man ändern sollte, um die Menschheit wenigstens ein Stück weit von dieser Plage der übertriebenen Werbung zu befreien.

Balda Tochter baut Stellen ab

Die ehemalige deutsche Sparte des Handyschalen-Herstellers Balda streicht nach dem Verkauf an die Hanse Industrie-Kapital-Beteiligungs-GmbH in großem Umfang stellen. Insgesamt werden 130 Stellen abgebaut, wie von Unternehmenskreisen in Herford mitgeteilt wurde. 120 Stellen bleiben erhalten.

Balda hatte die hoch defizitäre Unternehmsunit im Mai zum zweiten Mal innerhalb von fünf Monaten an die HanseIK verkauft und dafür Millionenbeträge als Mitgift für die finanziell betrachtet nicht gerade schöne „Braut“ zahlen müssen. Die Hamburger HanseIK hatte Balda Anfang 2007 bereits die Balda Heinze GmbH und die Hero Galvanotechnik GmbH (beide Herford) sowie die Sächsische Metall- und Kunststoffveredelungs GmbH in Oberlungwitz abgekauft.

Auch die angeschlagene Unit wird in Zukunft Oberschalen für Handys produzieren.